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Séverine: «Gleichstellung ist kein Frauenthema, sondern ein Organisations- und Führungsthema»

Geschrieben von Camille Lara Miller | 05.03.2026 08:43:03

Liebe Séverine

Du arbeitest 80% bei Adnovum als Head of People & Organizational Development, hast eine 8-jährige Tochter und bist seit 8 Monaten nebenberuflich selbständig. 

Wie gelingt der Dreiklang aus Anstellung, Selbstständigkeit und Familie?    

Bei Adnovum geniesse ich grosse Flexibilität: Ich kann mir meine Arbeit selbst einteilen, solange ich Deadlines einhalte.Viele meiner Themen brauchen Raum für Inspiration – und genau die entsteht oft in anderen Lebensbereichen wie zum Beispiel meiner Selbstständigkeit.

Meine berufliche Karriere war mir schon immer wichtig. Lange dachte ich deshalb, dass Mutterschaft für mich keine Option ist. Aber dann haben mein Mann und ich eine gute 80/80%-Lösung gefunden und uns bewusst dafür entschieden, diesen Schritt zu wagen. Und es hat mir gezeigt, dass Vereinbarkeit gestaltbar ist, wenn Verantwortung bewusst geteilt wird.

Worin besteht deine Rolle bei Adnovum und welche Bedeutung hat sie im Zusammenhang mit der Gleichstellung? 

Als thematischer Lead liegt mein Fokus hier auf allem, was die Arbeitskultur betrifft:  
Performance und Change Management, Learning & Development, Soft und Leadership Skills. Oft schreibe ich Konzepte, designe und moderiere Workshops oder agiere als Coach bei internen Programmen. 

Viele meiner Aufgaben berühren die Frage, wie wir Rahmenbedingungen schaffen, damit alle unabhängig von Geschlecht oder Lebenssituation ihr Potenzial entfalten können.   

Das klingt herrlich vielfältig! Erzähl uns von deiner Selbständigkeit.  

Ich arbeite seit 15 Jahren im Learning- und Development-Umfeld und sehe immer wieder, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes an Karriere-Momentum verlieren. Und dies meistens nicht, weil es den Frauen an Ambition mangeln würde, sondern weil sie in dieser Phase zu wenig strategisch vorgehen.  

Deshalb habe ich im Rahmen meiner Selbständigkeit ein strukturiertes Programm entwickelt, das genau dort ansetzt, wo die Karriere oft an Schwung verliert: in der fehlenden strategischen Gestaltung von Sichtbarkeit, Positionierung und Fürsprache während der Mutterschaft. 

Ich selbst präsentierte bei meinem letzten Arbeitgeber kurz vor der Geburt meiner Tochter ein firmenweites Projekt, obwohl es noch nicht ganz reif für den Roll-out war. So machte ich mich sichtbar und stellte sicher, dass nicht jemand anders die Lorbeeren erntete, während ich weg war.

Hast du jemals Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren, weil du eine Frau resp. berufstätige Mutter bist? 

Nicht im klassischen Sinn. Aber ich habe sehr deutlich unterschiedliche Erwartungshaltungen erlebt. Insbesondere in Bezug auf mein 80%-Pensum. 

Bei einer berufstätigen Mutter reagieren Leute mit: «Ach krass, das ist aber ganz schön viel! Hast du dann genug Zeit für deine Kinder?». Bei (m)einem Mann heisst es hingegen: «Oh, mega cool! Chapeau, dass du dir für deine Familie so viel Zeit nimmst!» 

Daran sieht man, wie tief verankert Rollenbilder noch sind und dass wir in der Schweiz noch sehr viel Aufklärungsarbeit vor uns haben. 

Bist du während deiner Karriere bereits einmal an die gläserne Decke gestossen?  

Ja. Sie war für mich der Grund, weshalb ich bei meinem vorherigen Arbeitgeber gegangen bin. Und ich bin damit nicht allein. Immer wieder höre ich, wie in meinem Bekanntenkreis Frauen aufgrund impliziter Annahmen keine Jobs, Chancen oder Beförderungen erhalten. Für mich steht fest, dass Gleichstellung kein «Frauenthema», sondern ein Organisations- und Führungsthema ist.

Wie können wir Frauen die gläserne Decke durchbrechen? 

Es braucht ein Umdenken! Lange haben wir versucht, Frauen durch Workshops und Programme an bestehende Systeme anzupassen. Das hat Wirkung, aber greift zu kurz. 

Entscheidend ist, dass Organisationen und Führungskräfte lernen, unterschiedliche Karriereverläufe und Präsenzmodelle als gleichwertig anzuerkennen. 

Wir glauben, dass bei Adnovum jede und jeder unabhängig von Geschlecht, Religion usw. Ziele erreichen und Erfolge feiern kann und dazu die nötige Unterstützung erhält.
Kannst du uns ein paar Beispiele nennen, wo du dich auf deinem Berufsweg von Adnovum unterstützt gefühlt hast?
  

Letztes Jahr, als wir das Performance Management neu aufsetzten, habe ich ein Team zusammengestellt. Eine Person im Team hat früh gemerkt, dass mich die Situation stark belastet, und mir proaktiv angeboten, Aufgaben zu übernehmen und mich zu entlasten. Als meine Tochter kurz darauf krank wurde und es mich dann selbst auch erwischte, hat das Team es innerhalb von einem halben Tag geschafft, die Verantwortung neu zu verteilen.

Wo können wir als Adnovum trotz solch positiver Erfahrungen noch besser werden?  

Wir kommen manchmal enorm aus der technischen Ecke. Natürlich liegt hier auch unsere Stärke. Aber manchmal gehen wir dabei komplett am Markt vorbei. Wir müssen lernen, aus unterschiedlichen Perspektiven zu denken und die Dinge, die wir gut können, sichtbar zu machen. Beispielsweise sind wir intern sehr offen, was den Aufbau tragfähiger Beziehungen fördert.

Was macht Adnovum für dich besonders?

An Homeoffice-Tagen mit meiner Tochter gemeinsam zu frühstücken und gleichzeitig für komplexe Themen Verantwortung zu tragen – das ist für mich echte Work-Life-Balance.

Dieses Vertrauen ist pure Motivation. Und es zeigt: Gleichstellung entsteht dort, wo Kompetenz vor Präsenz bewertet wird.

Hast du ein oder mehrere Vorbilder, die dich inspirieren? Und wenn ja, warum sie/er?

Ich hatte immer wieder viel Glück in meiner Karriere und habe verschiedene Mentorinnen und Mentoren gefunden, die zum Teil auch Sponsoren geworden sind. 

Karin Bühler, unsere CPO, ist für mich ein Vorbild, weil sie zwei Qualitäten vereint, die oft als Gegensatz gelten: kompromisslose Klarheit im Business und echte Wärme im Umgang mit Menschen. 



Vielen Dank für das inspirierende Gespräch und für deine wertvolle Zeit, Séverine. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg!